ESSKULTUR
ASIATISCHE CUISINE. EXOTISCH GUT.


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Indiens
 
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Die Küche Indiens, eine der höchstentwickelten der Welt,
  blickt auf eine mehr als 3000-jährige Geschichte zurück. Indien beweist nicht nur Vielseitigkeit mit den 260 Sprachen, die auf dem Subkontinent gesprochen werden, sondern auch kulinarisch, zum Beispiel durch vegetarische und nichtvegetarische Esskulturen. Indien ist zunächst einmal als heißes Land bekannt.
Doch im Januar ist es in Delhi so kalt, dass man außer Hause einen Mantel braucht. Ob Sprache, Klima oder Esskultur, Indien ist in jeder Hinsicht vielseitig.
Der riesige Subkontinent mit verschiedensten Landschaftsformen, seiner heterogenen Bevölkerung von 800 Millionen Menschen mit verschiedenen Religionen und dem komplexen Kastensystem weist eine Vielzahl an Kulturen auf. Doch in Deutschland kann kaum jemand auch nur zwei indische Kulturen unterscheiden. Indien ist das östlichste Land im Kreise der milchverzehrenden Kulturen Europas, des Nahen Ostens und Zentralasiens. Durch den Milchkonsum unterscheidet sich Indien grundlegend von den sonst ähnlichen Nachbarländern im Osten und Südosten. Besonders wird in Indien das aus Butter gepresste Butteröl Ghi geschätzt. Milchprodukte werden in Indien von allen Menschen gleich welchen Glaubens und welcher Herkunft verzehrt. Als hauptsächliche Eiweißquelle dient jedoch die Sojabohne.
     
Dass es Indien viele Pflanzenköstler gibt, ist bekannt. Als Hintergrund ist zu sehen, dass Buddhismus und Jainismus das Töten von Tieren verbieten und Fleischverzehr als unrein abgelehnt wird. Im Hinduismus haben die höheren Kasten wie die der Brahmamen seit vielen Generationen strengen Fleischverzicht geübt. Die niederen Kasten trachteten danach, durch Nacheifern der höheren Kasten auch nur ein wenig ihren sozialen Status zu erhöhen. Als Folge verbreitete sich der Vegetarianismus auch unter den niederen Schichten. Die Nichtvegetarier sind vorwiegend Mohammedaner, Shiks und Christen. Die Unterscheidung vegetarisch-nichtvegetarisch ist in Indien sehr wichtig. In den Vegetarierkreisen gilt die Gleichung Vegetarier gleich reiner Mensch.
Das Kastenwesen
Die Arier, die vor etwa 3000 Jahren in Nordindien einfielen, waren hellhäutige Menschen mit den gleichen Wurzeln wie die heutigen Europäer. Um die Herrschaft über die befriedeten Ureinwohner zu sichern, schufen sie eine nach Hautfarbe gegliederte Ständeordnung. In dieser Ordnung stellten sich die Arier an die Spitze und ordneten die Beherrschten sich unter. Noch heute gibt es in Indien die Auffassung, dass hellhäutige Menschen von edlerem Geblüte seien.
Das Wort "Kaste" gab es übrigens in Indien ursprünglich gar nicht. Es waren die Portugiesen, denen die Ordnung verschiedener sozialer Stellungen auffiel und diese mit dem portugiesischen Wort "casta" (etwas "Blutslinie", "Rasse") bezeichnet. Nachdem Indien 1947 von England unabhängig wurde, bekam es eine Verfassung, die die Kastendiskriminierung verbot. Der Begriff Kaste ist offiziell abgeschafft.
Nordindien
Auch in Indien, in seinem Norden, gibt es Regionen, in denen Sommer und Winter klar unterscheidbar sind und Sommer- und Winteranbau betrieben wird. Sehr gut gedeihen in einem derartigen Klima Getreidesorten und Gemüsesorten wie Bohnen, die den vielen Pflanzenköstlern Indiens als Nährstoffquelle dienen.
Südindien
Im Gegensatz zum Norden gibt es in Südindien kaum jahreszeitliche Temperatur-unterschiede. In der Hauptstadt Madras am Golf von Bengalen zum Beispiel liegt die Durchschnittstemperatur eines Jahres bei 28, 6°C, die Luftfeuchtigkeit bei 71% und die Jahresniederschlagsmenge bei 110 mm. Im Mai und im Juni steigt die Temperatur zuweilen auf 45°C. Wie alle heißen Länder mit hoher Luftfeuchtigkeit hat auch Südindien einen produktiven Reisanbau. Neben dem spröden Langkornreis werden hier noch viele andere Reissorten angebaut. Auch indische Hülsenfrüchte (Dahl) werden in großer Menge angebaut, wie die Mungobohne, die auch als Rohstoff für Glasnudeln von Bedeutung ist, Linsen, die eine flache, runde From haben, und die Kichererbse (Garbanzo), die in der Mitte einen schnabelförmigen Vorsprung aufweist und daher auch Kükenbohne genannt wird. Auch die Kokosnuss darf im Zusammenhang mit der südindischen Küche nicht unerwähnt bleiben. Wichtige Anbaugebiete gibt es an der südlichen Westküste Indiens.
Nordindische Gerichte
Der Geschmack ist vergleichsweise mild. Es gibt viele Fleischgerichte wie das Hammelfleisch-Curry aus der Kaschmir-Region. Hauptspeise ist Roti, eine Art Weißbrot. Nach der Brotmahlzeit ist es üblich, einen süßen Chai (indischer schwarzer Tee) mit Zimt und Kardamon zu trinken.
Südindische Gerichte
Anders als die vergleichsweise milde Küche Nordindiens, ist die südindische Küche feurig scharf. Auch ist die Zahl der verwendeten Gewürze größer. Als Hauptnahrung ist, mehr noch als die Brotsorten Naan und Chapati (s. u.), Reis anzusehen. Nicht zuletzt wegen der Kaffeeanbaugebiete in der Region ist auch Kaffee ein beliebtes Getränk.
Tischetikette
80 Prozent der Inder sind Anhänger des Hinduismus. Nach dessen Lehren ist die rechte Hand heilig, die linke hingegen unrein. Darum wird bei Mahlzeiten nur die rechte Hand verwendet. Die Unterscheidung zwischen rein und unrein ist grundlegend für die Denkweise der Hinduisten. Mit Öl angerichtete Speisen werden als reiner erachtet. Von Menschenhand berührte Dinge gelten als unrein, so auch benutztes Besteck, weshalb die Löffel streng getrennt werden. Jeder hat seinen eigenen Löffel, der nicht mit dem anderer oder dem Servierlöffel vertauscht werden darf. Aus dem gleichen Grund werden oft grobgebrannte Wegwerfkeramik und Palmenblätter verwendet. Jedoch ist in letzter Zeit die Zahl der Menschen, die wiederverwendete Bestecke benutzen, gewachsen, was im Zusammenhang mit den zunehmenden Restaurantbesuchen zu sehen ist. Neben den Restaurants, die Bereiche für Vegetarier und Nichtvegetarier haben, gibt es auch rein vegetarische Restaurants. Einige Vegetarier lehnen gemeinsame Mahlzeiten mit Nichtvegetariern ab.
Naan
Naan ist ein gesäuertes Brot aus feingemahlenem Weizenmehl. Der in Form eines Laubblattes ausgewalzte Teig wird im krugförmigen Tandoor-Ofen gebacken.
Chapati
Dieses ungesäuerte Brot aus vollkörnigem Weizenmehl wird in Indien am meisten gegessen. Das Vollkornmehl wird mit warmem Wasser und Ghi (indischem Butteröl) verknetet und ausgerollt. Dann wird es auf der heißen Eisenplatte gebacken und im zweiten Arbeitsschritt über dem Feuer geröstet.
Pulao
Indischer Pilaf. Reis mit Gemüse und Fleisch und reichlich Gewürzen gebraten. Einlagen und Gewürze in etwas geringerer Menge als bei Biriyani. Wird mit Curry gegessen.
Was noch interessant ist
In Indien ist die Zahl der lebenswandelbedingten Erkrankungen wie Hirn- und Herzinfarkte wesentlicher kleiner als in den USA, die Zahl der Alzheimer-Erkrankungen ein Viertel so groß wie in den USA.
In Indien nimmt man verschiedene Sorten von Curry und damit auch den Currybestandteil Turmeric zu sich. Als Haupteiweißquelle dient, teils religiös bedingt, teils aus Gründen vegetarischer Lebensgewohnheiten, nicht Fleisch, sondern Bohnen wie die lecithinhaltige Sojabohne. So sind Turmeric und Lecithin Bestandteile der täglichen indischen Nahrung.
Turmeric enthält den außerordentlich stark antioxidativen Wirkstoff Kurkumin und findet in letzter Zeit große Beachtung. Es hat sich gezeigt, dass bei gemeinsamer Aufnahme von Turmeric mit Lecithin die Aufnahme des Kurkumin noch verstärkt wird.
Von der effektiven Aufnahme des im Curry enthaltenen Kurkumin durch die fördernde Wirkung des Lecithin der Sojabohne profitiert auch die Leber, denn Kurkumin schützt die Leber vor verschiedenen Belastungen. Die Leber, die auch die Chemiefabrik des Körpers genannt wird, zu schützen, scheint ein Weg zu sein, die Zahl der lebenswandelbedingten Erkrankungen zu senken. Die in Indien übliche Kombination von Curry und Sojabohnen ist auch in ernährungstechnischer Hinsicht ein Paradebeispiel für ausbalancierte Ernährung.
 
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